DIN-Normen in der Übersetzung: Überblick & Praxis-Check

Übersetzungsnormen sind kein bürokratischer Selbstzweck. Sie reduzieren Compliance‑Risiken, verhindern teure Nacharbeiten und schützen vor Projektverzögerungen – vorausgesetzt, man weiß, welche Normen wirklich relevant sind und welche Anforderungen man seinem Sprachdienstleister stellen sollte. Dieser Leitfaden liefert eine klare Orientierung, eine Beschaffungs‑Checkliste und die wichtigsten rechtlichen Realitäten rund um DIN‑ und ISO‑Normen in der Übersetzung.

Was sind DIN‑Normen in der Übersetzung?

DIN‑Normen sind standardisierte Regeln, die Prozesse, Qualitätsanforderungen und Mindeststandards definieren. Für Übersetzungen existieren sowohl sprachspezifische Normen (z. B. ISO 17100) als auch technische Normen, die den Umgang mit Dokumenten, Terminologie oder Fachinhalten betreffen.

Warum Normen für Übersetzungen existieren:

  • Sie schaffen einheitliche Qualitätsstandards.
  • Sie reduzieren Fehler, Missverständnisse und Haftungsrisiken.
  • Sie definieren Qualifikationen, Prozessschritte und Dokumentationspflichten.
  • Sie erleichtern die Vergabe von Übersetzungsleistungen.
Unterschied - technische Normen vs sprachliche Normen

Die wichtigsten Normen für Übersetzungen im Überblick

Normen definieren, wie Übersetzungen erstellt, geprüft und dokumentiert werden müssen. Damit schützen sie Unternehmen vor Qualitätsrisiken, Haftungsproblemen und unnötigen Kosten. Die folgenden Standards bilden den Kern professioneller Übersetzungsarbeit im DACH-Raum.

Nicht jede Norm ist heute noch relevant und nicht jede sagt das Gleiche aus. Die folgenden Standards sind die wichtigsten Orientierungspunkte – von „historisch interessant“ bis „heute zentral für Qualität, Prozess und Risikoabsicherung“.

DIN 2345 – Die frühere deutsche Übersetzungsnorm

Die DIN 2345 war lange Zeit der deutsche Standard für Übersetzungsdienstleistungen. Sie definierte Anforderungen an Projektmanagement, Qualifikation und Qualitätssicherung.

Warum sie heute nicht mehr gültig ist:

  • Sie wurde zurückgezogen, weil internationale Normen (ISO 17100) sie abgelöst haben.
  • Viele ihrer Grundprinzipien leben jedoch in modernen Normen weiter (z. B. Revision, Dokumentation).

DIN EN ISO 17100 – Die zentrale Qualitätsnorm

ISO 17100 ist heute der maßgebliche internationale Standard für professionelle Übersetzungsdienstleistungen.

Anforderungen an Übersetzer:innen

  • Abgeschlossenes Studium im Bereich Übersetzen oder
  • gleichwertige Qualifikation + nachweisbare Berufserfahrung
  • Fachkompetenz im jeweiligen Themengebiet

4‑Augen‑Prinzip

  • Jede Übersetzung muss von einer zweiten qualifizierten Person vollständig geprüft werden.
  • Pflichtbestandteil – kein optionaler Zusatz.

Prozessschritte laut ISO 17100

  • Angebotsphase & Analyse
  • Übersetzung
  • Revision
  • Korrekturen & Freigabe
  • Dokumentation & Archivierung

Wenn ein Angebot gut ist, erkennen Sie das oft sofort. Gute Zeichen sind:

  • klare Abgrenzung Übersetzung vs. Revision vs. Korrekturlesen
  • konkrete Fragen zum Einsatzzweck („Wo wird der Text verwendet?“)
  • Terminologie wird aktiv abgefragt (Glossar, Referenzen, Styleguide)
  • realistischer Prozess mit Zeit für Revision (statt „morgen fertig, inkl. 4-Augen“)
  • definierte Abnahme-/Review-Schritte (wer prüft beim Kunden, wie Feedback eingearbeitet wird)

ISO 18587 – Post‑Editing maschineller Übersetzungen

Maschinelle Übersetzung (MT) ist im Alltag angekommen – aber sie ist nicht automatisch „billig und gut“. ISO 18587 setzt hier an: Sie beschreibt Anforderungen an Post-Editing, also die professionelle Nachbearbeitung maschinell übersetzter Texte.

Post-Editing ist nicht „schnell drüberlesen“. Gute Post-Editor:innen brauchen:

  • exzellente Zielsprachenkompetenz
  • Verständnis für typische MT-Fehler (False Friends, Terminologie-Drift, Syntax)
  • Fachwissen im jeweiligen Bereich (Technik, Medizin, Patente etc.)
  • Fähigkeit, konsistent nach definiertem Qualitätsziel zu arbeiten

Der wichtigste Hebel ist: Welches Qualitätsniveau wird erwartet?
In der Praxis muss vorab klar sein:

  • Wird vollständig post-editiert (publishable quality) oder nur „grob verständlich“?
  • Welche Inhalte sind kritisch (Sicherheit, Recht, Haftung, Markenstimme)?
  • Welche Terminologie ist verbindlich (Glossar/Termbase)?

Ohne diese Klärung wird Post-Editing zum Risiko – weil unterschiedliche Erwartungen unweigerlich zu Rework führen.

ISO 11669 – Das perfekte Übersetzungsbriefing (Template)

ISO 11669 beschreibt, wie ein professionelles Übersetzungsbriefing aussehen sollte. Ein gutes Briefing spart Zeit, reduziert Rückfragen und verbessert die Qualität.

Mini-Template für ein normengerechte Briefing

DIN vs. ISO – Was ist der Unterschied?

DIN-Normen werden vom Deutschen Institut für Normung (DIN) entwickelt und gelten primär im deutschsprachigen Raum. ISO-Normen stammen von der International Organization for Standardization und sind global ausgerichtet.

Dazwischen gibt es EN (europäische Norm). Häufig werden internationale Normen auf EU- und Landesebene übernommen – deshalb begegnen Ihnen Bezeichnungen wie DIN EN ISO (internationaler ISO-Standard, als EN übernommen und als DIN veröffentlicht).

Wann welche Norm relevant ist

  • Wenn Sie Übersetzungsqualität und Prozesssicherheit einkaufen möchten, ist in der Regel DIN EN ISO 17100 entscheidend, da diese Norm Anforderungen an Übersetzungsdienstleistungen und -prozesse beschreibt. Dann ist in der Regel die DIN EN ISO 17100 entscheidend, da sie die Anforderungen an Übersetzungsdienstleistungen und -prozesse beschreibt.
  • Wenn Sie technische Produkte oder Unterlagen in regulierten Märkten nutzen, dann können produkt- oder branchenspezifische Normen (oft DIN EN/DIN EN ISO) indirekt definieren, welche Inhalte wie formuliert, gekennzeichnet oder dokumentiert sein müssen – und Ihre Übersetzung muss dies sauber abbilden.
  • Wenn Sie Normtexte selbst übersetzen wollen (DIN-/ISO-Dokumente), geht es nicht nur um Qualität, sondern auch um Rechte und Lizenzen (siehe nächster Abschnitt).

Vergleichstabelle: DIN vs. ISO (für Auftraggeber)

PunktDIN (national)ISO (international)Was heißt das für Ihre Übersetzung?
GeltungsbereichDeutschlandweltweitISO/EN-Übernahmen sind oft “anschlussfähiger” für DACH+International
Label/Bezeichnung„DIN …“„ISO …“„DIN EN ISO …“ = übernommen/harmonisiert (oft in EU-Kontext relevant)
Typischer Nutzennationale Vereinheitlichungglobale VereinheitlichungFür Beschaffung: ISO 17100 ist das verbreitete Qualitäts-Referenzsignal
Häufige Verwechslung„DIN = Übersetzungsnorm“„ISO = Übersetzung von Normen“„ISO-Norm Übersetzung“ ist doppeldeutig → im Briefing sauber trennen

Quelle: ISO 17100:2015

Übersetzung von DIN-Normen: Rechte, Lizenzen, Disclaimer 

Der größte Unterschied zu „normalen“ Übersetzungsprojekten liegt hier: Wenn Sie den Text einer DIN-Norm selbst übersetzen (oder übersetzen lassen), handelt es sich rechtlich um eine besondere Nutzung. DIN macht dazu klare Vorgaben.

DIN-Normen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Übersetzung unterliegt klaren Vorgaben:

1. Übersetzungserlaubnis

  • Eine Übersetzung darf nicht ohne Genehmigung des DIN veröffentlicht oder verbreitet werden.
  • Für kommerzielle Nutzung ist eine Lizenz erforderlich.

2. Kein „DIN‑autorisierter“ Eindruck

  • Übersetzungen dürfen nicht den Eindruck erwecken, sie seien vom DIN geprüft, autorisiert oder zertifiziert.
  • Formulierungen wie „offizielle DIN-Übersetzung“ sind unzulässig.

3. Pflicht-Disclaimer

Jede Übersetzung muss einen Hinweis enthalten, dass:

  • es sich nicht um das Original handelt
  • nur der deutsche Text verbindlich ist
  • das DIN nicht für Übersetzungsfehler haftet

4. Lizenzmodelle

DIN bietet u. a.:

  • Einzel-Lizenzen
  • Unternehmenslizenzen
  • Rechte für Weiterverwendung in Dokumentationen oder Software

DIN Media: Offizielle Übersetzungen vs. „Manuskript-Übersetzungen“

DIN Media (ehemals Beuth Verlag) ist der exklusive Vertriebspartner für DIN-Normen.

  1. Offizielle Übersetzungen:  

Vom DIN bzw. DIN Media beauftragt, geprüft und veröffentlicht.

→ Höchste Rechtssicherheit.

  1. Manuskript-Übersetzungen:  

Von externen Fachübersetzern erstellt, nicht vom DIN geprüft.

→ Erlaubt, aber nur mit Lizenz + korrektem Disclaimer.

→ Für interne Nutzung oft ausreichend, für Veröffentlichung nur mit Genehmigung.

Diese Differenzierung ist entscheidend, um rechtliche Risiken zu vermeiden.

So prüfen Sie Anbieter & Angebote (Procurement-Checklist)

Mithilfe dieser zwölf Punkte können Sie Angebote schnell vergleichen und „ISO-Buzzword-Angebote“ entlarven.

Scope klar?

Welche Inhalte, Sprachen, Formate, Umfang (Wörter/Seiten) – und was ist nicht enthalten?

Rollen sauber getrennt?

Übersetzer:in ≠ Revisor:in (echtes 4-Augen-Prinzip)

Fachqualifikation nachweisbar?

 Referenzen im Thema, nicht nur „Native Speaker“.

Briefing/Projektspezifikation aktiv abgefragt?

Zielgruppe, Zweck, Terminologie, Stil, Abnahmeprozess.

Terminologieprozess vorhanden?

Glossar/Termbase, Freigabe, Konsistenzregeln.

QA-Tooling & Checks definiert?

Zahlen, Einheiten, Tags/Platzhalter, Konsistenz, Rechtschreibung – inkl. Reporting.

Sample/Probe sinnvoll?

Bei kritischen Inhalten: kurze Probe + Review-Regeln, statt blindes „Großprojekt“.

Vertraulichkeit & Datenschutz geregelt?

NDA, sichere Übertragung, Zugriff, Lösch-/Archivlogik.

Layout/DTP bedacht?

Tabellen, Grafiken, InDesign, UI-Strings, Zeilenumbrüche, Screenshot-Referenzen.

Change Management:

Wie werden Nachlieferungen, Versionswechsel, Korrekturen kalkuliert?

Abnahmekriterien:

Was gilt als „fertig“ (Qualitätsniveau, Terminologie-Freigabe, finale QA)?

Evaluation/Eskalation:

Wie wird Feedback verarbeitet, wer entscheidet bei Konflikten, wie schnell wird reagiert?

Häufige Fehler bei normrelevanten Übersetzungen (mit Beispielen)

Normrelevante Übersetzungen scheitern selten an der Grammatik, sondern an Konsistenz, Bedeutungstreue und formalen Details, die sich später als kostspielig erweisen können.

Typische Fehlerpatterns:

  1. Terminologie-Drift: Ein Begriff wird über das Dokument hinweg unterschiedlich übersetzt → Verwirrung, Fehlmontage, falsche Teilebestellung.
  2. Sicherheitswarnungen verwässert: Signalwörter, Konsequenz oder Maßnahme werden abgeschwächt/verkürzt → Risiko in Haftung und Audit.
  3. Einheiten/Zahlen falsch: Dezimaltrennzeichen, Toleranzen, Drehmomente, Temperaturbereiche → reale technische Fehler.
  4. Mehrdeutigkeit nicht aufgelöst: Deutsche Komposita/Passivkonstruktionen werden in der Zielsprache „schief“ → Fehlinterpretation.
  5. Platzhalter/Variablen zerstört: {X}, <Produktname>, Artikelnummern, UI-Keys, Format-Tags werden geändert → Systemfehler, falsche Ausgabe.
  6. Inkonsistente Referenzen: Abbildungen, Tabellen, Kapitelverweise stimmen nach Layout nicht mehr → Nutzer:innen finden Inhalte nicht.

Fazit

Normrelevante Übersetzungen sind kein gewöhnliches Sprachprojekt. Sie bewegen sich im Spannungsfeld von Rechtssicherheit, Terminologiepräzision, Normkonformität und technischer Verantwortung. Wer hier mit generischen Übersetzungsservices arbeitet, riskiert Fehler, Haftungsfragen und teure Nacharbeiten.

Mit einem strukturierten Prüfprozess, klaren Qualitätskriterien und einem Dienstleister, der die DIN‑Rechte, ISO‑Prozesse und die technische Fachlogik wirklich versteht, lassen sich Risiken minimieren und Projekte sauber, effizient und compliant umsetzen.

Wenn du sicherstellen möchtest, dass deine DIN‑, ISO‑ oder technisch anspruchsvollen Übersetzungen rechtlich korrekt, fachlich präzise und publikationsfähig sind, lohnt sich ein professioneller Partner, der diese Themen täglich lebt.

Ob DIN‑Norm, ISO‑Dokument, technische Spezifikation oder sicherheitsrelevante Fachtexte – wir sorgen dafür, dass Ihre Inhalte präzise, rechtskonform und publikationsfähig übersetzt werden.

FAQs

Was bedeutet „Übersetzung nach DIN-Norm“?

Meist ist damit gemeint, dass ein Übersetzungsprozess nach einem anerkannten Standard (typisch ISO 17100) organisiert ist – inklusive definierter Rollen, Qualitätsschritten und Dokumentation. Es geht weniger um „DIN-Wörter“, sondern um reproduzierbare Qualität im Ablauf.

Was ist der Unterschied zwischen EN 15038 und ISO 17100?

EN 15038 war ein früherer Qualitätsstandard; ISO 17100 ist der Nachfolger und als internationaler Standard breiter etabliert. Für Auftraggeber ist wichtig: ISO 17100 fokussiert klar auf Prozessanforderungen (Rollen, Revision, Ressourcen) – und funktioniert nur mit sauberer Projektspezifikation.

Was bedeutet das 4‑Augen‑Prinzip?

Beim 4-Augen-Prinzip prüft eine zweite qualifizierte Person die Übersetzung, idealerweise als Revision (also gegen den Ausgangstext).
Wichtig: Das Korrekturlesen (nur Zieltext) ist etwas anderes und erkennt viele fachliche Fehlinterpretationen nicht zuverlässig.

Brauche ich immer eine ISO‑zertifizierte Übersetzung?

Das ist nicht zwingend. Entscheidend sind Ihr Risiko- und Einsatzzweck.

Bei hochkritischen Bereichen wie Sicherheit, Medizin/Regulatorik, Haftung, Patente und Audits sind ein ISO-sauberer Prozess und eine Revision stark empfohlen.

Mittel (technische Produktinformationen, Schulungen, B2B-Dokumente): Ein strukturierter Prozess, eine Terminologie und eine Revision sind oft sinnvoll.

Niedrig (interne Informationen, grobes Verständnis): Ein einfacher Prozess kann ausreichen.

Bereit für den nächsten Schritt?

Kontaktieren Sie uns völlig unverbindlich. Schicken Sie uns den Text Ihrer gewünschten Übersetzung und wir melden uns umgehend mit einem Preisvorschlag.