KI-Übersetzungen erkennen und richtig einschätzen
KI-Übersetzungen erkennen und richtig einschätzen
Künstliche Intelligenz kann umfangreiche Texte innerhalb kurzer Zeit in andere Sprachen übertragen. Eine KI-Übersetzung wirkt dabei oft überzeugend: Die Grammatik stimmt, die Sätze lesen sich flüssig und grobe Fehler fallen nicht sofort auf.
Bei technischen Dokumenten entscheidet jedoch nicht der erste sprachliche Eindruck. Fachbegriffe, Zahlen, Einheiten, Warnhinweise und Arbeitsanweisungen müssen den Ausgangstext genau wiedergeben. Für Auftraggeber stellt sich deshalb auch die Frage, welche Leistung ein Übersetzungsbüro tatsächlich erbracht hat.
Was ist eine KI-Übersetzung?
Bei einer AI-Übersetzung erzeugt ein automatisches System den Zieltext. Dazu gehören neuronale Übersetzungssysteme ebenso wie moderne Sprachmodelle. Eine maschinelle Übersetzung kann heute bereits so natürlich klingen, dass ihr Ursprung beim Lesen kaum auffällt.
Davon zu unterscheiden sind digitale Hilfsmittel, die professionelle Übersetzer schon lange einsetzen. CAT-Tools, Translation Memories und Terminologiedatenbanken unterstützen die Arbeit, erstellen aber nicht zwangsläufig selbst die gesamte Übersetzung. Ein Translation Memory stellt beispielsweise bereits freigegebene Textsegmente wieder zur Verfügung.
Bei einer Übersetzung mit künstlicher Intelligenz erstellt dagegen ein KI-System den eigentlichen Zieltext. Auch ChatGPT als Übersetzer fällt in diese Kategorie. Ob daraus ein professionell nutzbares Ergebnis entsteht, hängt von der weiteren Bearbeitung ab.
Typische Fehler in KI-Übersetzungen
Moderne KI-Übersetzungen scheitern nicht unbedingt an Grammatik oder Rechtschreibung. Häufig liegen die Probleme tiefer und werden erst beim Vergleich mit dem Original oder mit der festgelegten Fachterminologie sichtbar.
Falsche oder inkonsistente Fachterminologie
Technische Begriffe haben meist eine klar definierte Bedeutung. Gleichzeitig kann ein Ausgangsbegriff je nach Branche oder Zusammenhang unterschiedlich übersetzt werden. Fehlt dieser Kontext, wählt das System möglicherweise eine sprachlich plausible, fachlich aber falsche Variante.
Auch die Konsistenz kann leiden. Wird dasselbe Bauteil in verschiedenen Kapiteln unterschiedlich bezeichnet, erschwert das die eindeutige Zuordnung. Bei Unternehmen mit eigenen Produktbezeichnungen oder verbindlichen Glossaren kommt ein weiteres Problem hinzu: Das System kennt diese Vorgaben nur, wenn sie ausdrücklich in den Prozess eingebunden werden.
Sinnverschiebungen, Auslassungen und Halluzinationen
Manche Fehler betreffen nur ein kleines Detail, verändern aber die Aussage. Eine Einschränkung fehlt, eine Bedingung wird anders wiedergegeben oder eine Verneinung geht verloren.
Automatische Systeme können außerdem einzelne Informationen auslassen. Generative KI kann in bestimmten Fällen Inhalte ergänzen, die im Ausgangstext nicht vorhanden sind. Solche erfundenen Informationen werden als Halluzinationen bezeichnet.
Gerade diese Fehler sind ohne Original schwer zu erkennen. Deshalb gehört der Abgleich mit dem Ausgangstext zu einer fachlichen Prüfung.
Fehler bei Zahlen, Einheiten, Abkürzungen und Eigennamen
Dezimalzeichen, Maßeinheiten, Datumsangaben oder technische Werte dürfen bei der Übersetzung nicht verändert werden. Trotzdem können auch hier Übertragungs- oder Formatierungsfehler auftreten.
Ähnliches gilt für Abkürzungen, Typenbezeichnungen und Produktnamen. Manche bleiben unverändert, andere besitzen eine festgelegte Form in der Zielsprache. Eine falsche Interpretation kann den technischen Inhalt verfälschen.
Fehlender Kontext und unpassende Formulierungen
Ein Satz kann isoliert betrachtet korrekt sein und trotzdem nicht zum Dokument passen. Das passiert etwa dann, wenn Bezüge zu vorherigen Abschnitten fehlen oder nicht berücksichtigt wird, ob sich der Text an Techniker, Maschinenbediener oder Endkunden richtet.
Auch sehr allgemeine Formulierungen können problematisch sein. Technische Dokumentationen verlangen häufig eine präzisere Sprache als gewöhnliche Gebrauchstexte.
Woran erkennt man, dass eine Übersetzung mit KI erstellt wurde?
Eine Übersetzung mit KI lässt sich am fertigen Text allein normalerweise nicht sicher nachweisen. Ein menschlicher Übersetzer kann Fehler machen, während ein automatisches System einzelne Passagen fehlerfrei übertragen kann.
Mehrere Auffälligkeiten zusammen können jedoch Anlass für eine genauere Prüfung geben:
- Derselbe Fachbegriff wird an verschiedenen Stellen unterschiedlich übersetzt.
- Aussagen weichen in wichtigen Details vom Ausgangstext ab.
- Identische oder ähnliche Textstellen werden unterschiedlich wiedergegeben.
- Zahlen, Einheiten, Nummerierungen oder Querverweise stimmen nicht mit dem Original überein.
- Formulierungen sind verständlich, wirken im jeweiligen Fachgebiet aber ungewöhnlich oder unpräzise.
Auch eine ChatGPT-Übersetzung lässt sich nicht zuverlässig anhand bestimmter Wörter oder Satzmuster identifizieren. Solche Merkmale können auf eine unzureichende Prüfung hinweisen, beweisen aber nicht, welches Werkzeug verwendet wurde.
Warum sind KI-Übersetzungsfehler bei technischen Dokumenten besonders problematisch?
Bei technischen Unterlagen kann ein Übersetzungsfehler direkt die Nutzung eines Produkts oder einer Maschine betreffen. Besonders sensibel sind Bedienungsanleitungen, Betriebsanleitungen, Datenblätter, Wartungsunterlagen und sicherheitsrelevante Texte.
Bei Übersetzungen mit KI können beispielsweise falsche Verneinungen eine Anweisung verändern, fehlerhafte Werte technische Angaben verfälschen oder wechselnde Bezeichnungen die Zuordnung eines Bauteils erschweren.
Wer KI für Übersetzungen solcher Dokumente nutzt, braucht deshalb eine Prüfung, die den fachlichen Inhalt berücksichtigt. Reine Rechtschreib- oder Stilkorrekturen reichen dafür nicht aus.
Ist es Betrug, wenn ein Übersetzungsbüro KI verwendet?
Nicht automatisch. Ein Übersetzungsbüro kann KI oder andere automatische Übersetzungstechnologien als Teil seines regulären Workflows einsetzen.
Entscheidend ist die vereinbarte Leistung. Wird ein KI-gestützter Prozess mit professionellem Post-Editing angeboten, weiß der Auftraggeber, welche Art von Bearbeitung er erhält. Hat ein Anbieter dagegen ausdrücklich eine Übersetzung durch qualifizierte Fachübersetzer zugesagt und liefert tatsächlich einen weitgehend unbearbeiteten automatischen Text, stimmen Angebot und erbrachte Leistung möglicherweise nicht überein.
Ob eine solche Situation rechtlich als Betrug einzustufen ist, hängt vom Einzelfall ab. Dafür sind unter anderem Vertrag, Leistungsbeschreibung und Kommunikation zwischen Anbieter und Kunde relevant. Allein die Nutzung einer Übersetzung mit künstlicher Intelligenz reicht für diese Einordnung nicht aus.
Woran erkennt man ein Übersetzungsbüro, das KI für Übersetzungen einsetzt?
Aufschlussreicher als der fertige Zieltext ist der Arbeitsprozess des Übersetzungsbüros. Auftraggeber können direkt fragen, welche Technologien verwendet werden, wer den Text bearbeitet und wer die finale Freigabe übernimmt.
Bei umfangreichen technischen Projekten entstehen außerdem häufig Rückfragen zu mehrdeutigen Ausgangsstellen, Produktbezeichnungen oder kundenspezifischer Terminologie. Werden große Textmengen in sehr kurzer Zeit angeboten, ohne dass der Anbieter Informationen zum Kontext benötigt, lohnt sich eine genauere Nachfrage zum Workflow.
Dass ein Büro maschinelle Übersetzungen nutzt, sagt allein noch wenig über die Qualität aus. Ebenso bedeutet eine menschliche Übersetzung nicht, dass völlig ohne Software gearbeitet wird. Professionelle Fachübersetzer verwenden ebenfalls CAT-Tools, Translation Memories und andere technische Hilfsmittel.
Wie arbeitet ein seriöses Übersetzungsbüro mit KI?
Ein professioneller KI-gestützter Prozess endet nicht mit dem automatisch erzeugten Text. Wird maschinelle Übersetzung eingesetzt, müssen Qualitätsanforderungen, Terminologie und Freigabe vorher festgelegt sein.
Für das professionelle Post-Editing maschinell übersetzter Texte gibt es mit ISO 18587 einen eigenen internationalen Standard. Dabei wird der maschinell erzeugte Zieltext geprüft und nach den vereinbarten Anforderungen bearbeitet.
Menschliches Post-Editing und Qualitätskontrolle
Beim Post-Editing werden unter anderem Bedeutung, Vollständigkeit, Fachterminologie und wiederkehrende Textstellen kontrolliert. Translation Memories und Terminologiedatenbanken helfen dabei, bereits freigegebene Inhalte konsistent weiterzuverwenden.
Wie umfangreich diese Bearbeitung sein muss, hängt vom Dokument ab. Ein interner Informationstext stellt andere Anforderungen als eine Betriebsanleitung oder sicherheitsrelevante technische Dokumentation.
Datenschutz und Vertraulichkeit
Technische Unterlagen können vertrauliche Produktinformationen, Entwicklungsdaten, interne Prozesse oder Kundendaten enthalten. Deshalb gehört auch die Datenverarbeitung zum Übersetzungsprozess.
Beim Übersetzen mit ChatGPT oder anderen externen Plattformen sollte vorab geklärt werden, welche Inhalte an den jeweiligen Dienst übertragen werden, wo die Verarbeitung erfolgt und welche vertraglichen Regelungen gelten.
Ein Übersetzungsbüro sollte bei sensiblen Dokumenten erklären können, welche Systeme zum Einsatz kommen und wie vertrauliche Informationen geschützt werden.
Welche Fragen sollte man einem Übersetzungsbüro vor der Beauftragung stellen?
Einige konkrete Fragen helfen dabei, den angebotenen Workflow besser einzuschätzen:
- Wer bearbeitet die Übersetzung? Fragen Sie nach der sprachlichen und fachlichen Qualifikation der beteiligten Personen.
- Welche Übersetzungstechnologien werden eingesetzt? Der Anbieter sollte erklären können, ob und an welcher Stelle KI oder Machine Translation verwendet wird.
- Wer kontrolliert das Ergebnis? Klären Sie, ob der Zieltext mit dem Ausgangsdokument verglichen wird.
- Wie wird mit Fachterminologie gearbeitet? Vorhandene Glossare, Produktbezeichnungen und frühere Übersetzungen sollten berücksichtigt werden.
- Wie werden vertrauliche Daten verarbeitet? Bei externen Systemen sollte nachvollziehbar sein, wohin Inhalte übertragen werden.
Solche Angaben sagen wesentlich mehr über die tatsächliche Arbeitsweise aus als allgemeine Versprechen zu Qualität und Professionalität.
Fazit
KI kann einen Übersetzungsprozess unterstützen, nimmt einem Übersetzungsbüro aber nicht die Verantwortung für die vereinbarte Qualität ab.
Für Auftraggeber lohnt sich deshalb ein Blick auf den gesamten Workflow: Welche Technik wird eingesetzt, wer prüft den Text und entspricht das Ergebnis tatsächlich der bestellten Leistung?
Häufig gestellte Fragen
Kann ich verlangen, dass meine Übersetzung ohne KI erstellt wird?
Ja. Wenn Ihnen eine rein menschliche Bearbeitung wichtig ist, sollte diese Anforderung vor der Beauftragung ausdrücklich und möglichst schriftlich vereinbart werden.
Muss ein Übersetzungsbüro offenlegen, ob es KI für meinen Auftrag verwendet?
Das hängt von der vereinbarten Leistung und den Vertragsbedingungen ab. Als Kunde können Sie jedoch vorab ausdrücklich nach dem eingesetzten Übersetzungsprozess fragen.
Für welche Texte kann eine KI-Übersetzung sinnvoll sein?
Für interne, wenig risikoreiche Inhalte oder einen schnellen Überblick kann KI sinnvoll sein. Bei sicherheitsrelevanten, technischen oder zur Veröffentlichung bestimmten Dokumenten sollte eine fachliche Prüfung eingeplant werden.
